2010
04.28

Das Bewertungssystem von ebay wurde eingeführt um einschätzen zu können, ob die User zuverlässig sind. Als Käufer kann man entscheiden, ob man an Hand des Bewertungsprofils bei dem Verkäufer etwas erwerben möchte. Als Verkäufer kann man Käufer mit sehr schlechten Bewertungen bedingt ausschließen. Aber was nützt dieses System, wenn es untergraben wird und nicht mehr zuverlässig funktioniert?

Beispiel 1: Anwaltsschreiben nach Negativbewertung

Im Oktober 2009 erwarb ich 2 Artikel eines gewerblichen Händlers, beide Artikel wurden als “Neu” angeboten. Der erste Artikel, ein USB-Festplattengehäuse, wies Gebrauchsspuren auf. Der Händler behauptete man hätte die Geräte aus Insolvenzmasse erworben, die Festplatten ausgebaut und man dürfte diese rechtlich noch als Neuware verkaufen. Nach meinem Kenntnisstand ist dies eine Falschaussage! Der Händler sagte zu den Artikel zurück zu nehmen und umzutauschen und wollte mir eine Rücksendemarke senden, die jedoch nie ankam. Auf weitere Kommunikationsversuche gab es keine Antwort mehr. Der zweite Artikel stellte auch bald die Funktion ein, wurde reklamiert, aber auch hier keinerlei Reaktion des Verkäufers. Wegen einem Gegenwert von 30 Euro einen Anwalt zu beauftragen fand ich unpassend. Im nachhinein denke ich, daß der Händler genau darauf spekuliert. Wie auch immer, ich gab eine Negativbewertung für den ersten Artikel ab und wartete eine Woche um ihm noch die Möglichkeit zu geben zu reagieren. Keine Reaktion, deshalb auch die zweite Negativbewertung.

Eine Reaktion erfolgte dann einige Wochen später durch einen Rechtsanwalt aus Münster. Kontakte mit anderen Opfern und Recherche im Internet ergab, daß er sich wohl darauf spezialisiert hat und praktisch jede Negativbewertung des gewerblichen Händlers durch ihn behandelt wird. Jeder bekommt grundsätzlich die gleichen Vorwürfe um die Ohren geworfen, völlig gleichgültig ob diese gerechtfertigt sind oder nicht. Es geht hier nicht um Gerechtigkeit sondern ausschließlich um die Entfernung der Negativbewertung bei ebay, deren Kostennote das Opfer natürlich auch noch bezahlen soll. In den meisten Fällen dürfte keine durchsetzbare juristische Handhabe existieren, weshalb man es mit Einschüchterung versucht. Da stellt sich die Frage, weshalb der Händler Service aufbauen soll, wenn sein Anwalt effizient Maulkörbe auf Kosten der Opfer verteilen kann?

Informationen zu dem Thema findet man dort:
http://negativbewertungen.jkirchner.net

Im nachhinein hat sich gezeigt, daß auf diese Weise schätzungsweise 2/3 der Negativbewertungen des Händlers entfernt werden konnten. Potentielle Käufer konnten sich also kein wahres Bild mehr über den Verkäufer an Hand des Bewertungssystems verschaffen.

Beispiel 2: Eingeschränkte Bewertungsmöglichkeit für Verkäufer

Verkäufer können die Käufer aktuell nur noch positiv oder neutral bewerten. Wurde ein Fall wegen eines nicht erhaltenen Artikels gemeldet, kann nur noch positiv bewertet werden. Angeblich um Rachebewertungen zu vermeiden.

In meinem Fall hatte ich privat etwas verkauft und bot unversicherten Versand per Maxibrief oder wahlweise versichert per Hermes-Paket an. Der Käufer wählte den unversicherten Maxibrief und bestand darauf, daß ich diesen an seine Packstationsadresse verschickt. Ich fragte extra nach und wies darauf hin, daß Briefe nicht immer in Packstationen eingelegt werden und es dabei zu Verzögerungen kommen kann, je nach Auslastung der Packstation. Aber der Käufer bestand darauf und so versendete ich mit ungutem Gefühl an seine Packstationsadresse! Es kam, wie es kommen mußte: Die Sendung ist (angeblich) nicht angekommen und der Käufer verlangte, daß ich dafür die Verantwortung übernehmen sollte, daß er unversicherten Versand wählte und trotz Warnung auf weitere Unsicherheiten bestand.

Damit er eine Negative Bewertung abgeben konnte, eröffnete er einen Fall wegen nicht erhaltener Ware, schloß diesen baldmöglichst um seine Bewertung abzugeben. Ich hatte damit auch keine Möglichkeit mehr neutral zu bewerten, ich kann damit nur noch eine positive Bewertung abgeben (die m.E. nicht gerechtfertigt ist) oder gar keine. Betrachtet man die vom Käufer abgegebenen Bewertung und die Kommentare dazu, läßt sich vermuten, daß hin und wieder mal Ware bei ihm nicht ankommt, gewerbliche Verkäufer nochmals versenden und er dann einen Artikel zurück geben will und das Geld zurück verlangt. Für mich sieht es so aus, als würde er gerne mal versuche etwas mehr herauszuholen. Daß der Brief nicht angekommen ist, halte ich für unglaubwürdig, da nichts zurückgekommen ist und Briefe bei der deutschen Post AG auch nur äußerst selten vollkommen verschwinden.

Da er in ebay nur als Käufer auftritt und Verkäufer nicht negativ bewerten könne, ergeben sich zwangsläufig 100% positive Bewertungen für den Käufer. Der Verkäufer kann vor dem Käufer also nicht warnen und das sperren von Käufern mit sehr negativen Bewertungen ist damit hinfällig.

Fazit:

Egal ob als Käufer oder Verkäufer, man kann sich auf das Bewertungssystem von ebay nicht mehr verlassen!

Auch andere Punkte wie z.B. der teilweise vorgeschriebene kostenlose Versand (der manchmal teurer ist als der erzielte Verkaufspreis), die PayPal-Pflicht bei Usern mit weniger als 50 Bewertungen (PayPal gehört zu ebay, ich empfehle mal google nach “PainPal” zu befragen), Deckelung der Versandkosten und immer weiter steigende Gebühren (Einige Artikel lassen sich wegen der hohen Gebühren nicht mehr mit Gewinn verkaufen) lassen den Markt ebay immer uninteressanter werden. Ebay scheint immer mehr zum Ramschmarkt zu verkommen. Vielleicht schaut man sich mal bei der Konkurrenz um, die in den letzten Jahren wieder steigende Zahlen vernehmen konnten, z.B. Hood.de oder Auvito.de

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