2018
02.19

Bildquelle: pixabay

Häufig finden Kunden Forderungen von so genannten Drittanbietern auf Ihre Mobilfunk Rechnung, die sie sich nicht erklären können. Ich erkläre Ihnen wie diese zu Stande kommen, wie sie vorbeugen können und wie sie sich dagegen wehren können.

Dritteranbieter sind Unternehmen, die Leistungen wie zum Beispiel mobiles Bezahlen, In-App Käufe, Abonnements und vieles mehr anbieten und diese über die Mobilfunk Rechnung abrechnen. Dafür benötigen Sie im Wesentlichen die Mobilfunknummer. Leider fallen solche Posten vielen Kunden erst spät oder gar nicht auf. Das ist wohl auch der Grund, weshalb sich in diesem Bereich sehr viele unseriöse Unternehmen und Betrüger tummeln. Betrüger kommen an die Telefonnummer indem sie beispielsweise in einer App auf Werbung klicken, vielleicht sogar versehentlich. Im Hintergrund wird ihre Mobilfunknummer dann an den Betreiber übertragen und der behauptet dann, dass ein Vertrag zustande gekommen sei. Alleine durch das (versehentliche) anklicken einer Werbung kommt aber kein rechtskräftiger Vertrag zu Stande und damit auch kein Grund für eine berechtigte Forderung. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat festgestellt, daß lediglich 33% der Drittanbieterleistungen beabsichtigt genutzt werden und 61% unbeabsichtigt.

Sofern Sie keine Leistung dieser Art in Anspruch nehmen, empfiehlt es sich beim Anbieter eine Drittanbieter–Sperre bei Ihrem Mobilfunk-Provider einrichten zu lassen. Häufig können Sie diese in Ihrem online Zugang selber einrichten, teilweise auch auf verschiedene Themen beschränkt. Sofern dies nicht der Fall ist, können Sie einfach den Service anrufen und sich eine Drittanbietersperre einrichten lassen. Damit  sollte eine Abrechnung von solchen Drittanbieterleistungen nicht mehr möglich sein.

Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Kunden irgendwelche Forderungen von Drittanbietern auf Ihrer Rechnung finden, teilweise sogar obwohl eine Sperre eingerichtet ist!

Wenn Sie diese Leistung nicht in Anspruch genommen haben, sollten Sie die Rechnung schriftlich fristgerecht innerhalb von acht Wochen reklamieren. Sie sollten fordern, dass eine korrekte Rechnung erstellt wird und dafür eine Frist von 2 Wochen setzen. Sie widersprechen den strittigen Positionen. Sollte keine korrekte Rechnung erstellt werden, können Sie nach Fristablauf eine Rücklastschrift auslösen, sollten dann jedoch den nicht strittgen Betrag überweisen um eine Sperre zu verhindern und den Streitwert zu reduzieren.

Theoretisch ist der Anbieter dann dazu verpflichtet die strittigen Positionen von der Rechnung zu streichen und eine neue Rechnung zu erstellen. Der Mobilfunk Anbieter müsste dann die Position stornieren und der Drittanbieter müsste seine Forderungen auf dem normalen Zivilrechtsweg einfordern, d.h. er müsste dem Kunden eine Rechnung schicken, und gegebenenfalls ein Mahnverfahren einleiten. Insbesondere die Betrüger darunter werden das mit Sicherheit nicht tun.

In der Praxis läuft das leider häufig anders. In der Praxis weigern sich die Anbieter häufig die Rechnung zu korrigieren und besteht darauf dass der Kunde die strittigen Positionen bezahlt. Die Hintergründe dafür sind offensichtlich:

  • die Anbieter verdienen 25-33 % an der Forderung,
  • Sie haben zusätzliche Aufwände um die Rechnung zu korrigieren und
  • häufig sind die Beträge bereits an die Dritt Anbieter überwiesen.

Deshalb ist es für die Anbieter einfacher wenn der Kunde die Rechnungen einfach begleicht. Der Kunde soll sich dann mit dem Drittanbieter in Verbindung setzen und die Sache klären. Dieser hat aber an einer Klärung normalerweise kein Interesse, weil er sein Geld inzwischen bekommen hat. Insbesondere betrügerische Unternehmen sitzen häufig in einem Postfach in tiefen Ausland, so dass der Kunde keine Chance hat sein Geld zurück zu bekommen.

Aber die Anbieter handeln in diesem Fall rechtswidrig und der Kunde hat entsprechende Möglichkeiten sich dagegen zu wehren. Offensichtlich tun dass zu wenige Kunden denn eigentlich kann der Mobilfunkanbieter dabei nur verlieren.

Dadurch, dass der Anbieter die Rechnung nicht korrigiert ergibt sich für den Kunden ein Sonderkündigungsrecht, da sich daraus ein nicht kalkulierbares Kostenrisiko ergibt. Der Anbieter läuft also Gefahr den Kunden und damit seine Einnahmen zu verlieren.

Sollte der Anbieter aufgrund der Differenz auf dem Kundenkonto Leistungen sperren, handelt der Anbieter noch einmal rechtswidrig, denn nach TKG § 45k darf erst ab einem Rückstand von 75 Euro gesperrt werden, wobei die strittigen Beträge nicht in der Rechnung berücksichtigt werden dürfen. Damit bestünde ein weiterer Grund für eine außerordentliche Kündigung.

Der Mobilfunkanbieter hätte im Streitfall vor Gericht wohl auch kaum Chancen die strittigen Beträge für die Drittanbieterleistungen einzufordern. Er ist für diese Drittanbieterleistungen weder Vertragspartner des Kunden, noch hat er irgendwelche Unterlagen, mit denen er den Vertragsschluß und damit Grundlage der Forderung vor Gericht darlegen könnte. Selbst wenn der Mobilfunk Anbieter daraufhin ein Inkassounternehmen beauftragt, müssen Sie davor keine große Angst haben. Siehe auch mein Beitrag zum Umgang mit Inkasso Forderungen.

Sollten Sie eine betrügerische Forderung auf Ihrer Rechnung finden, scheuen Sie sich nicht Strafanzeige bei Polizei oder Staatsanwaltschaft zu erstatten! Sollte Ihr Mobilfunkanbieter auf die Zahlung bestehen, kann man das durchaus auch als Beihilfe zum Betrug interpretieren. Vielleicht lernen die Anbieter auf diese Weise richtig zu handeln.

Rechtsberatung

Ich mache darauf aufmerksam, daß ich keine Rechtsberatung leisten kann, darf und will!

Sollten Sie in Ihrem Vorgehen Zweifel oder Fragen haben, können Sie sich beispielsweise an folgenden Stellen wenden:

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