2010
12.06

Seit wenigen Tagen werden eMails mit Absenderangabe support@contents-solutions.de verschickt, in denen dem Empfänger vorgeworfen wird ein Bild aus dem Internet ohne Erlaubnis verwendet zu haben, was einem Verstoß gegen das Urheberrecht gleich kommt. Kurz darauf folgt dann noch eine Mail der „Media Consults AG“, in denen ein Betrag in Höhe von ca. 195 Euro in Rechnung gestellt wird. Offensichtlich eine neue Abzockmasche, die von den berechtigten Forderungen nicht für jeden sofort zu erkennen ist.

Widerrechtliche Verwendung von Bildern

Grundsätzlich gilt, daß jemand gegen Urheberrechte verstößt, wenn er Bilder ohne Genehmigung des Rechteinhabers auf seinen Webseiten, in Kleinanzeigen, Auktionen etc. verwendet. Der Rechteinhaber kann sich in diesem Fall zur Klärung der Angelegenheit und außergerichtlichen Einigung mit dem Betreffenden in Verbindung setzen, auch per Mail – das wäre die Good-Will-Methode. In der Regel wird jedoch eine Abmahnung, meist von einem Anwalt, per Briefpost ins Haus flattern. Wie man im Internet nachlesen kann, hat man nur geringe Chancen vor Gericht, wenn sich nicht darauf einläßt.

Die Masche

Darauf setzen nun die Abzocker: In Kleinanzeigen (z.B. ebay-Kleinanzeigen, quoka.de) und Blogs sucht man nach Bildern und kontaktiert die betreffenden Personen mit Mails wie der folgenden (die Rechtschreibfehler wurden 1:1 übernommen):

Von Contents-Solutions GmbH
An support@contents-solutions.de
Datum 3. Dezember 2010 23:42
Betreff Ihre Anzeige auf Kijiji (Ebay-Kleinanzeigen) bzw. Quoka.de – Urheberrechtsverletzung

Sehr geehrte Damen & Herren, leider mussten wir feststellen, dass auch Sie unter die Internet-Piraten gegangen sind, und illigal Bilder auf Ihren Kleinanzeigen verbreiten.
Unser Partner Media-Consults hat uns beauftragt diesem Fall nach zu gehen, weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite.

Wir Räumen Ihnen eine Frist bis zum 04.12.10 20:00 Uhr ein, sich diesen Vorwürfen zu stellen, Screens & Datenabgleiche liegen uns vor. Sollten wir keine reaktion erhalten, bedeutet dies, dass Sie die Tat leumden & ein Strafverfahren eingeleitet werden kann.

Ihr Contents-Solutions.de Team

Berechtigte Forderung oder Abzock-Versuch?

Hier gilt es nun zu unterscheiden, ob es sich um einen Abzockversuch handelt oder um eine berechtigte Forderung. Hierzu kann man sich folgende Fragen stellen:
– Warum schreibt ein Unternehmen Nachts um 23:42 Uhr Mails?
– Warum wird ein Fristende auf 20:00 Uhr gesetzt? Weshalb arbeitet die Firma Abends/Nachts?
– Ist eine Frist von 20 Stunden für eine Antwort ausreichend? Üblicherweise nicht! Oder geht es nur darum das Opfer unter Druck zu setzen?
– Warum sind so viele Rechtschreibfehler enthalten?
– Verfügt das Unternehmen überhaupt über die notwendigen Rechte um Forderungen geltend machen zu dürfen? Hiermit meine ich sowohl die Urheberrechte am Bild wie auch ggf. eine Bevollmächtigung entsprechende Rechtsverletzungen verfolgen zu dürfen.
– Existiert die Firma überhaupt?

Um den letzten Punkt zu klären, kann man mal in Google nach der Firma suchen. Die Suche ist aktuell eher erfolglos. Als nächstes sollte man sich die Firmenwebseite mal ansehen. Sieht auf den ersten Blick seriös aus, dafür gibt es aber vorgefertigte Layouts. In diesem Beispiel zeigt die Seite www.contents-solutions.de kein notwendiges Impressum, dafür eine Kontaktseite u.a. mit folgendem Inhalt:

Contents-Solutions
Gundolfsstr. 81
64287 Darmstadt
Hotline: 0900/500500
Per Fax: 01805/735723456

Zunächst fällt auf, daß keine Rechtsform des Unternehmens angegeben ist. Meist benötigen die Unternehmen einen Eintrag im Handelsregister, die HR-Nummer fehlt ebenfalls. Unter www.handelsregister.de kann nach dem Unternehmen gesucht werden – um es vorweg zu nehmen: Die Suche findet nichts! Es gibt auch Unternehen, die keinen Eintrag im Handelsregister benötigen, in diesem Fall kann man sich an das örtlich zuständige Gewerbeamt oder Ordnungsamt (meist in der Stadtverwaltung zu finden) wenden und nachfragen, denn eine Gewerbeanmeldung muß auf jeden Fall vorhanden sein. Sucht man in Google Maps oder einem Routenplaner nach der Adresse, stellt man fest, daß es die Gundolfsstraße in Darmstadt nicht gibt, aber vielleicht wieder mal einer der für diesen Fall typischen Rechtschreibfehler: In Darmstadt gibt es die Gundolfstraße. Diese endet aber bei Hausnummer 33, eine Hausnummer 81 existiert also nicht. Unter http://bo2005.bundesnetzagentur.de/prg/srvcno/srvcno900.asp kann man prüfen wem die 0900-Nummer gehört, Ergebnis: „Keine Adressdaten verfügbar“. Die Faxnummer beginnend mit 0180 kann man unter http://rufnummernsuche-mwd.bundesnetzagentur.de/ prüfen. Ergebnis: Sie ist zu lang! Kürzt man die Rufnummer auf die akzeptable Länge zu 0180-5735723, bekommt man das Ergebnis, daß diese nicht vergeben ist.

Weshalb soll man einem Unternehmen, das anscheinend nicht existiert, Geld bezahlen?

Reagiert man auf diese eMail, bekommt man (natürlich auch per eMail, denn die Briefpost würde ja nicht ankommen) eine Rechnung in Höhe von ca. 195 Euro von der „Media Consults AG“ (www.media-consults.com). Auch hier kann man wieder das Unternehmen wie oben beschrieben prüfen. In diesem Fall lautet die Adresse

Media-Consults AG
Gundolfsstr. 5-9
64287 Darmstadt

Auch hier gilt wieder praktisch das Gleiche wie bereits oben beschrieben. Die Hausnummern 5-9 sind nicht zusammenhängend, diese Adresse existiert so also nicht.

Neben den oben bereits aufgeführten Punkten, die man prüfen sollte, fallen bei Rechnungen noch einige weitere Punkte auf, denn Rechnungen müssen einige finanzrechtliche Bedingungen erfüllen z.B.
– eine Rechnung muß eine eindeutige Rechnungsnummer aufweisen
– Eine Steueridentifikation des Zahlungsempfängers (also in dem Fall des Rechnungsstellers) muß vorhanden sein. Das kann die Steuernummer beim Finanzamt sein, bei größeren Unternehmen wird man meist eine Umsatzsteuer-Identifikation (USt-ID) finden, die man für deutsche Unternehmen z.B. unter http://evatr.bff-online.de/eVatR/ online prüfen.
– Eine Rechnung per eMail muß mit einer gültigen digitalen Signatur versehen sein. Deshalb werden solche Rechnungen (zumindest in Deutschland) üblicherweise als PDF-Anhang versendet.
– Als Kontoverbindung ist die Kontonummer einer Privatperson angegeben, warum nicht die des Unternehmens?

Wenn es noch nicht reicht: Inkassostalking

Sicher gibt es Opfer, die noch nicht genug eingeschüchtert sind, weswegen anschließendes Inkasso-Stalking zu erwarten ist, möglicherweise auch per Briefpost, sollte man dummerweise seinen Namen und Adresse Preis gegeben haben. Hier bietet sich die Media-Inkasso (www.media-inkasso.org) an, die laut Kontaktangaben folgende Adresse aufweist:

Media-Inkasso
Vertrieb Deutschland
Gundolfsstr. 15
64287 Darmstad

Auch hier wurden die Fehler wieder 1:1 übernommen. In der Hausnummer 15 gibt es nur ein Einfamilienhaus ohne Hinweise auf ein Gewerbe – die Bewohner tun mir schon jetzt leid!

In den Kontaktdaten müßte eigentlich auch die Zulassung als Inkassounternehmen angegeben werden, natürlich fehlt auch diese!

In Frage kommen natürlich auch weitere Inkasso-Unternehmen, die tatsächlich eine Zulassung haben und in der Vergangenheit bereits für den Hintermann tätig waren. In jedem Fall wird man nach und nach eine immer größere Drohkulisse aufbauen. Reagieren muß man aber erst, wenn tatsächlich ein Mahnbescheid vom zuständigen Amtsgericht kommt – diesen darf man auf keinen Fall ignorieren! Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, daß in solchen Fällen der Rechtsweg bestritten wird, praktisch gleich Null.

Links zum Thema:
Bei Antispam.de (die letzten Seiten)
Bei Antispam.de
Bei Boocompany.com
Im Blog bei frickemeier.info

Wichtiger Hinweis:
Ich bin juristischer Laie. Ich kann, darf und will keine Rechtsberatung geben! Diese Seite soll auch keine Rechtsberatung darstellen sondern lediglich eine Hilfestellung sein um entsprechende Forderungen auf Plausibilität prüfen zu können.


Update 08.12.2010 13:15 Uhr: Neue Scheinfirma “Media-Connects GmbH”

Nachdem die Webseiten

www.contents-solutions.de
www.media-consults.com
www.media-inkasso.org

bereits am Vormittag des 06.12.2010 abgeschaltet wurden, geht das gleiche Spiel nun mit neuem Auftritt weiter:
media-connects.de
Adresse laut Kontaktdaten:

Media-Connects GmbH
Augustschmidstr. 14 – 16
44227 Dortmund

Offensichtlich hat man sich meinen Blog angesehen und gemerkt, daß man Steuernummer und Umsatzsteuer sowie einen HR-Eintrag benennen sollte um nicht so schnell aufzufallen. Angebliche Daten:

Steuernummer 317/5771/0589
USt-ID DE198923881
Handelsregister Dortmund, HRA 16805

Steuernumer, USt-ID und HR-Nummer wurden geklaut von der Firma
WAM Die Medienakademie Koestel & Co. KG
Bornstraße 241 – 243
44145 Dortmund

die, ganz sicher nichts mit den Abzockversuchen zu tun haben wird.

Update 08.12.2010 15:30 Uhr: Webseite abgeschaltet

Die Webseite

media-connects.de

der heute auferstandenen Scheinfirma wurde inzwischen vom Hoster vom Netz genommen.

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1 comment so far

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  1. […] die Abzocke mit der Vorgabe Urheberrechtsverletzungen zu verfolgen, wurde an dieser Stelle bereits berichtet. Der gleiche Hintermann setzt immer neue Scheinfirmen auf, in deren Namen er sich […]

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