2018
02.07

Viele Menschen geraten in Panik wenn sie Post von einem Inkassobüro oder einem Inkasso-Anwalt bekommen, wissen nicht wie sie sich verhalten sollen und zahlen unter deren Druck oftmals Beträge, die sie nicht zahlen müßten. Andere Menschen wiederum ignorieren Forderungen vollständig und wundern sich dann über Pfändung und Schufa-Eintrag. In diesem Artikel möchte ich Ihnen ein paar Tipps für den Umgang mit Inkasso-Forderungen geben.

Bildquelle: üixabay.com

Grundlage: Verträge und Rechnungen

Seriösen Forderungen liegt ein gültiger Vertrag zugrunde, bei unregelmäßigen Forderungen wird auch eine Rechnung regelmäßig (meist monatlich) erstellt. Gelegentlich kommt es vor, daß Beträge strittig sind. In diesem Fall müssen Rechnungen schriftlich am besten mit Zustellnachweis (Einschreiben mit Rückschein oder Fax mit Protokoll) reklamiert werden. (Fax-Dienste gibt es massenweise im Internet, teilweise sogar kostenlos. Sie sparen viel Porto ersparen). Man sollte auch gleich eine Frist von 2-3 Wochen setzen für eine Rechnungskorrektur. Um eine Rechnung zu reklamieren bleiben Ihnen oft nur 10-14 Tage Zeit, in der Telekommunikations-Branche gibt Ihnen das Gesetz sogar 8 Wochen Zeit dafür. Von Reklamationen per Telefon oder eMail sollte man absehen. Die Inhalte eines Telefonats können Sie nicht nachweisen, auch dann nicht wenn der Gesprächpartner das Gespräch aufgezeichnet hat – Sie haben keinen Zugriff darauf. Emails müßten nach gesetzlichen Vorgaben entsprechnd dem Signaturgesetz signiert werden um als rechtsgültig zu gelten. Zu beachten ist aber auch, daß in den AGB oftmals die Form der Reklamation festgeschrieben steht. Mit einem Brief oder Fax liegen Sie fast immer auf der Sicheren Seite.

Theoretisch haben Sie einen Anspruch auf eine korrekte Rechnung und müssen erst zahlen wenn diese korrekt vorliegt. Oftmals kommt diese aber nicht. In diesem Fall empfiehlt es sich nach Ablauf der gesetzten Frist ggf. eine Rücklastschrift auszulösen und die berechtigten Beträge zu überweisen. Sie zeigen damit Ihren Zahlungswillen, der Streitwert wird reduziert (für den Fall, daß es später zu kostenpflichtugen Auseinandersetzungen kommen wird) und Ihnen kann für dieses Vorgehend niemand etwas vorwerfen. Es gibt keine Verpflichung strittige Beträge zu zahlen.

Hat man in der Reklamation klargestellt, daß man nicht zahlen wird, darf das fordernde Unternehmen im Rahmen seiner Schadensminderungspflicht eigentlich kein Inkassobüro einschalten. In dem Fall kann es gleich zur Weiterleitung an Mahn-Anwälte oder zur Einleitung eines gerichtlichen Mahnverfahrens kommen.

Der Kunde (in diesem Fall der Schuldner) kommt automatisch 30 Tage nach Rechnungserhalt in Verzug. D.h. Inkasso-Massnahmen darf das fordernde Unternehmen (der Gläubiger) dann sofort einleiten. Eine Pflicht Zahlungserinnerungen oder Mahnungen zu versenden gibt es nicht.

Das Inkassounternehmen – ein überteuertes Schreibbüro

Vor dem Inkassounternehmen und seinen Forderungen haben viele Menschen Angst. Völlig zu unrecht, wenn man sich an ein paar Regeln hält! Ein Inkassobüro hat keinerlei besonderen Rechte. Sie sind dafür da Forderungen einzutreiben indem sie ihre Opfer unter Druck setzen. Unter diesem Druck zahlen viele Menschen Beträge, die sie oft nicht zahlen müßten.

Inkassobüros interessieren sich nicht für die Rechtmäßigkeit einer Forderung, sie wird ungeprüft übernommen und das Unternehmen geht davon aus, daß die Forderung berechtigt ist. Sie interessieren sich auch nicht für Recht und Gerechtgígkeit, sondern ausschließlich für das Geld des Opfers! So kam es in der Vergangenheit auch schon häufig vor, daß betrügerische Forderungen eingetrieben wurden, denen kein rechtsgültiger Vertrag zugrunde lag (Abofallen, Gewinnspiele, Drittanbieterforderungen etc.). In einigen Fällen haben die Betrüger sogar ihre eigenen Inkassobüros gegründet und als Auftraggeber Firmen aus dem tiefsten Ausland benannt, die per eMail Excel-Tabellen mit ihren Forderungen geschickt haben.

Zunächst sollte man prüfen, ob die Forderung berechtigt ist.

Inkasso einer berechtgten Forderung

Hat man vergessen eine Rechnung zu begleichen, sollte man auch eine Zahlung vornehmen. Leider hat man jetzt ein Problem, denn die Inkasso-Forderungen sind sehr hoch, aber grundsätzlich rechtlich zulässig. Immer wieder werden die Inkassokosten zu hoch angesetzt oder Positionen aufgelistet, die nicht zulässig sind. In diesem Fall lohnt es sich also genauer hinzusehen.

Die Inkassogebühren selber berechnen sich an Hand der offenen Hauptforderung. Sie können diese z.B. über den inkassogebuehren-rechner.de prüfen. Kontoführungsgebüren werden gerne für ein intern angelegtes Konto berechnet, diese sind aber nicht zulässig. Kosten für die Adressermittlung sind nur in tatsächlich entstandener Höhe zulässig wenn der Schuldner zwischenzeitlich umgezogen ist und müssen nachweisbar sein. Zinsen und Mahnkosten sind zulässig, Schreibauslagen und Porto nur bedingt. Eine Übersicht was zulässig ist und was nicht, finden Sie z.B.  auf der Seite der Schuldnerberatung Schickner. Finden Sie unzuläsige oder überhöhte Gebühren, stellen Sie diese schriftlich zusammen, teilen dies dem Inkassobüro mit und überweisen nur den berechtigten Betrag.

Zahlen Sie nicht, wird die Angelegenheit an einen Mahnanwalt abgegeben, dessen Kosten noch größer sein werden.

Inkasso einer NICHT berechtgten Forderung

Grundsätzlich besteht keine Verpflichtung mit einem Inkassobüro kommunizieren zu müssen. Auf SMS und eMails vom Inkassobüro empfhle ich nicht zu reagieren, sondern erst auf eine schriftliche Forderung per Briefpost. Telefonieren Sie niemals mit dem Inkassobüro, denn die Mitarbeiter sind geschult darin die Opfer unter Druck zu setzen und ihnen abzuverlangen, die nicht notwendig sind! Lssen Sie sich auch nicht auf lange Diskussionen ein. Das Inkassobüro wird immer Argumentationen finden, die Ihnen ein schlechtes Gewissen machen sollen bis Sie endlich zur Zahlung bereit sind.

Gelegentlich kommt es vor, daß man keine Rechnung erhalten hat aber die Forderung des Inkassobüros. In diesem Fall sind die Inkassokosten nicht erstattungsfähig. Fordern Sie vom Gläubiger und vom Inkassobüro die Rechnung an. Danach zahlen Sie den berechtigten Rechnungsbetrag an den Gläubiger, also das Unternehmen, das die Rechnung gestellt hat und teilen Sie dies dem Inkassounternehmen mit. Mit einer Zahlung an das Inkassobüro würden Sie die Forderung anerkennen und wären auch verpflichtet die Inkassokosten zu tragen.

Ich empfehle einmal schriftlich per Brief oder Fax der Forderung zu widersprechen, dies kurz zu begründen (man muß nicht großartig Nachweise vorlegen, weil das Inkassobüro sich dafür ohnehin nicht interessiert) und alles Weitere nur noch abzuheften. Man sollte klarstellen, daß man keine Zahlung leisten wird. In diesem Fall sollte das Inkassobüro weitere Forderungen und Nervereien einstellen im Rahmen seiner Schadensminderungspflicht. Leider ist das vielen Inkassobüros egal. Einen einzigen Widerspruch empfehle ich aber, da es Umstände gibt, nach denen man ggf. einen Schufa-Eintrag bekommen kann, wenn man weder der Rechnung noch der Mahnung noch der Forderung des Inkassobüros widerspricht. Außerdem erfährt das Inkassobüro erst dadurch, daß die Forderung strittig ist und kann erst dadurch die Nervereien einstellen.

Danach wird die Forderung in der Regel an einen Mahn-Anwalt abgegeben.

Mahn-Anwälte

Sie haben mehr Rechte als ein Inkassobüro, nerven aber genauso wie Inkassounternehmen und Schmeissfliegen! Auch hier wird die Forderung erst einmal nicht auf deren Rechtmäßigkeit geprüft. In der Regel werden die Drohbriefe als Massenware verschickt. Da man den Forderungen bereits widersprochen hat, muß man das hier nicht noch einmal tun.

Gelber Brief vom Amtsgericht: Der gerichtliche Mahnbescheid

Je nach Forderungshöhe und Verhalten des Schuldners wird der Anwalt einen gerichtlichen Mahnbescheid erwirken. An der Stelle ist es wichig zu wissen, daß auch das Amtsgericht die Forderung NICHT geprüft hat! Der Mahnbescheid wird einfach auf Antrag erlassen. Der gerichtliche Mahnbescheid kommt vom zuständigen Amtsgericht per Briefpost in einem gelben Umschlag. Diesen dürfen Sie auf gar keinen Fall ignorieren! Ist die Forderung nicht berechtigt, macht man an der richtgen Stelle ein Kreuz, mit dem man der Forderung widerspricht, unterschreibt das Dokument und schickt es (am besten per Einschreiben) zurück an das Amtsgericht. Wichtig ist, daß Sie die gesetzte Frist von 14 Tagen einhalten!

Reagiert man nicht auf den Mahnbescheid, wird ein Vollstreckungsbescheid beantragt und dieser auch ausgestellt. Diesem kann man noch einmal innerhalb von 14 Tagen widersprechen. Tut der Schuldner das nicht, steht der Pfändung und dem Schufa-Eintrag nichts mehr im Wege und da kommt man in der Regel auch nicht mehr raus.

Hat man dem Mahnbescheid widersprochen, kommt als nächstes ein verärgertes Schreiben vom Mahn-Anwalt, weil man es gewagt hat der Forderung zu widersprechen und man wird aufgefordert ein beiliegendes Formular zu unterschreiben, mit dem man den Widerspruch zurück nimmt. Lassen Sie sich auf keinen Fall einschüchtern!

Danach müßte der Anwalt Klage einreichen um die Forderung gerichtlich geltend zu machen. Erst jetzt wird die Forderung erstmalig geprüft, ob sie überhaupt berechtigt ist. Die Chancen einer Klage werden bewertet, ebenso die Wirtschaftichkeit. Forderungen unter 200 Euro gerichtlich einzufordern ist meist unwirtschaftlich und die Klagen werden oftmals von den Gerichten abgewiesen. Darauf sollte man sich aber nicht verlassen. Werden die Chancen als gut eingeschätzt, kann man mit einer Klage rechnen. Der Eingang der Klageschrift ist der Moment, an dem Sie selbst einen Anwalt einschalten sollten! In seltenen Fällen wird die Klage auch nur als Einschüchterung eingereicht. Sollte kleine Klage erfolgen, wird dem Schuldner oftmals noch ein einmal ein “letzter außergerichtlicher Güte-Vorschlag” zugestellt. Dieses Schreiben stellt meist eine Bestätigung dar, daß keine Klage erfolgen wird.

Schufa-Eintrag

Ganz so schnell wie Manche es vermuten bekommt man keinen Negativ-Eintrag bei der Schufa (oder ähnlichen Auskunftsdiensten wie z.B. Infoscore), wenn man sich an ein paar Regeln hält! Wie bereits erwähnt kann ein Schufa-Eintrag unter bestimmten Voraussetzungen erstellt werden, wenn man weder der Rechnung, noch der Mahnung noch der Forderung des Inkassounternehmens widerspricht. Hat man dem widersprochen, ist ein vollstreckbaret Titel eine Voraussetung für den Schufa-Eintrag. Den bekommt man wenn der Schuldner weder dem Mahnbescheid noch dem Vollstreckungsbescheid widerspricht oder wenn die Forderung vor Gericht erfolgreich eingeklagt wurde.

Die genauen Bestimmungen hierür sind in Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) § 28a geregelt.

Rechtsberatung

Ich mache darauf aufmerksam, daß ich keine Rechtsberatung leisten kann, darf und will!

Sollten Sie in Ihrem Vorgehen Zweifel oder Fragen haben, können Sie sich beispielsweise an folgenden Stellen wenden:


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