2010
12.27

Bereits seit mehreren Jahren gehen ungewollte Anrufe des sog. “Wiener Karussels” sowie diverser Nachahmer durch Deutschland. Man wird sofort überrumpelt mit der Aussage, daß das Telefonat aufgezeichnet wird und man wird vor die Aussage gestellt, daß man bereits an einem Gewinnspielservice teilnehmen würde und wird gefragt, ob man weiterspielen oder kündigen möchte. Welches Unternehmen fragt den Kunden unaufgefordert, ob er kündigen möchte, schließlich verdient das Unternehmen doch an einer Verlängerung?

Mit nahezu 100%iger Wahrscheinlichkeit hat man aktuell noch gar keinen Vertrag mit dem Unternehmen. Egal wie man antwortet, man wird in jedem Fall aufgefordert die Kontodaten zwecks “Abgleich” oder “Bestätigung anzugeben und soll noch einige Monate zahlen. Nachdem man die Kontodaten angegeben hat, kann man sicher sein in Kürze Abbuchungen auf seinem Kontoauszug zu finden, obwohl kein gültiger Vertrag vorliegt. Veranlaßt man keine Rücklastschrift, kommen bald weitere abbuchende Scheinfirmen dazu. Vor allem ältere Menschen sind mit diesen Situationen dann vollkommen überfordert, geben auf und äußern sich dazu auch nicht gegenüber Anderen – aus Scham. Viele Menschen haben so bereits den Ruin erlebt, der Schaden, der in den letzten Jahren hierdurch entstanden ist, wird bereits auf ca. 1,5 Mrd Euro geschätzt.

Führt man eine Rücklastschrift durch, muß man aufpassen, daß nicht bald eine Nachnamesendung ins Haus flattert, mit der die Ganoven versuchen doch noch an das Geld zu kommen.

Geht keine Zahlung ein, wird ein Inkassounternehmen (das oftmals mit den Ganoven zusammen arbeitet oder von denen gegründet wurde) beauftragt, das entsprechendes Inkassostalking zu betreiben und die Opfer stark unter Druck zu setzen um eine Zahlung zu erreichen. In dem Fall werden gelegentlich auch die Sprachaufzeichnungen vorgelegt, die meist so zusammengeschnitten wurden, wie es das Unternehmen gebrauchen könnte. Aber selbst diese Aufnahmen zeigen normalerweise keinen Vertragsabschluß und damit auch keine gerechtfertigte Forderung.

Aktuell warnt die Verbraucherzentrale vor den Drohkulissen der Media Inkassomanagement und empfiehlt ein Standardschreiben als Antwort, das man dort zur Verfügung stellt. Ob man diesem Unternehmen überhaupt antworten sollte, darüber streiten sich die Geister. So steht man im Verbraucherschutzforum des Antispam e.V. eher auf dem Standpunkt, daß eine Reaktion in solchen Fällen nicht notwendig sei, da kein Vertrag existiert, die Reaktion dem Unternehmen nur bestätigt, daß die Angelegenheit ernst genommen wird, man durch falsch Ausdrucksweise einen bestehenden Vertrag einräumen könnte und ansonsten eigentlich nichts bewirkt.

Wie auch immer man sich entscheiden mag, spätestens auf einen gerichtlichen Mahnbescheid sollte man reagieren. Daß dieser kommt, ist allerdings in solchen Fällen äußerst unwahrscheinlich, da keine Grundlage existiert, die vor Gericht Bestand haben würde.

Links zum Thema:
Telefonisch abgeschlossene Verträge
ungerechtfertigte Lastschriften
Abwehr von Cold Calls

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