2011
01.17

Alle paar Jahre wieder stehen Wahlen an, auch Bürgermeisterwahlen. Die diesjährige Wahl fand am 9. Januar statt. Frustriert von der Politik und weil ich keinen der Kandidaten kenne, ging ich nicht zur Wahl. Dummerweise konnte keiner die notwendige Mehrheit erringen, es kommt zur Stichwahl zwischen Werner Amend und Patrick Fiederer, die mich leider verfolgt. Die Werbebemühungen werden intensiviert. Der Kandidat Patrick Fiederer ist inzwischen in jeder Zeitung und vor allem auf jeder Seite präsent! Die Präsenz finde ich schon aufdringlich und nervig! Aber es geht ja noch schlimmer…

Heute Nachmittag komme ich schwer bepackt nach Hause. Als ich die Treppen durch das Mehrfamilienhaus nach oben steige, sehe ich schon, daß an jeder Türklinke Werbung hängt und vor der Tür nochmal Werbemüll liegt. Angekommen vor meiner Wohnung wird bestätigt, daß wirklich niemand verschont wird!

“Leider habe ich Sie heute nicht angetroffen” – natürlich nicht, es gibt Leute, die Tags über arbeiten müssen.
“Gerne hätte ich mich Ihnen persönlich vorgestellt” – sicher? Oder war es doch nur ein Werbemüll-Verteiler, weil man relativ sicher sein kann, daß die meisten Mitbürger zu der Zeit arbeiten sind?
– Ich soll am 9. Januar 2011 Hr. Fiederer wählen – leider habe ich keine Zeitmaschine.
– Meine Meinung ist ihm wichtig, per Telefon oder per Mail. Na prima, die kann er per Mail haben:

Sehr geehrter Herr Fiederer,

ich bestätige den Erhalt Ihrer Eigentorwerbung an sowie vor meiner Wohnungstür verteilt. Leider haben Sie sich nicht damit begnügt die Werbung in den Briefkasten zu werfen, das war wohl nicht auffällig genug. Stattdessen werden vor allem ältere und körperlich beinträchtigte Menschen Ihre Werbung sicher sehr einprägsam finden.

Eigentlich hatte ich nicht vor wählen zu gehen und gute Gründe dafür. Diese Einstellung hat Ihre Werbung nunmehr nachhaltig geändert, denn als Mitglied des gemeinnützigen Verbraucherschutzvereins Antispam e.V. kämpfe ich u.a. dafür unerwünschte Werbung zu verringern. Es ist mir also wichtig, daß eine Person Bürgermeister wird, die die Bürger nicht mit unnötigem und nervenden Werbemüll auf möglichst nervende Weise versorgt und stattdessen die natürlichen Ressoucen schont.

Hatte ich da nicht in der Werbung irgend etwas von sozial und naturverbunden gelesen? Na ja, seit wann meinen Politiker auch wirklich, was sie im Rahmen ihrer Werbung von sich geben?

Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem perfekten Eigentor und hoffe, daß andere Mitbürger ebenso darauf reagieren wie ich.

Mit freundlichem Gruß,
Jens Kirchner

PS: Diese Mail geht auch an Ihren Mitbewerber, damit auch dieser die Möglichkeit hat Feedback zu bekommen was der Bürger von Riedstadt wünscht und was nicht

Was würde wohl passieren, wenn ich ihm Werbemüll vor der Haustür ablegen würde?

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2 comments so far

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  1. 2 Tage nachdem ich die Mail abgeschickt habe, liegt keine Antwort des Bürgermeisterkandidaten vor. Ich gehe mal davon aus, das hat ihn nicht interessiert, obwohl er geschrieben hat, daß im meine Meinung wichtig sei. “Na ja, seit wann meinen Politiker auch wirklich, was sie im Rahmen ihrer Werbung von sich geben?”

    Dafür gab es wieder einen Flyer, der ich zuvor auch schon 2x bekommen hatte. Wenigstens hat er sich dieses mal damit begnügt den in meinem Briefkasten zu werfen.

    Manchmal suche ich an meinem Briefkasten das Schild “Bitte Müll hier einwerfen”, war bisher aber stets erfolglos.

  2. Es ist volbracht! Der Bürgermeisterkandidat, der sich allgemein durch nervende Werbung ausgezeichnet hat, hat die Stichwahl verloren:
    – Werner Amend 53,9%
    – Patrick Fiederer 46,1%

    Wahlbeteiligung 51,9%

    Quellen:
    http://www.riedstadt.de/site/sonderseiten/kommunalwahl-2011/index.html
    http://www.riedstadt.de/site/aktuelles/2980.php

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