2013
03.07

Bereits vor einiger Zeit berichteten wir über Betrugsanrufe aus dem Umfeld der Gewinnspielmafia. Bei diesen Betrugsanrufen meldete sich eine angebliche “Staatsanwaltschaft” bei den meist älteren Opfern von Gewinnspielbetrugsfirmen und forderte die Betroffenen unter wüsten Drohungen auf, hohe Geldbeträge wegen nicht gezahlter Forderungen aus Gewinnspieleintragungen einzuzahlen – sonst käme bald Polizei und Staatsanwalt ins Haus. Damals hatte uns ein Forenmitglied dankenswerterweise Mitschnitte solcher Betrugsanrufe zur Verfügung gestellt.

Heute berichten wir erneut über ganz ähnliche Anrufe, und wir haben wieder einmal neue Mitschnitte. Das Forenmitglied fängt regelmäßig solche Betrugsanrufe ab, die eigentlich an ein älteres Familienmitglied adressiert waren, sie hält die Anrufer ein Weilchen hin. Diesmal meldet sich eine angebliche “Datenschutzzentrale”, die angeblich vom Staat beauftragt sei und mit der Staatsanwaltschaft sowie den Datenschutzbehörden zusammenarbeite. Es wird behauptet, es gebe wegen Forderungen aus Gewinnspielen einen “Vollstreckungsprozess” vom Amtsgericht in Höhe von 9000 Euro. Diese “Vollstreckung” könne man noch stoppen, aber hierzu sei unbedingt die Zahlung von z.B. 2000 Euro notwendig. Das Geld solle per Nachnahme gezahlt werden.

Es ist bekannt, dass die Ermittlung der Täter bei betrügerischen Nachnahmesendungen leider sehr schwierig ist. Das Geld wäre also als Totalverlust zu verbuchen. Natürlich gibt es keinerlei Gegenleistung. Eine “Datenschutztentrale”, die “über die Staatsanwaltschaft” den “Vollstreckungsprozess” stoppen könnte, gibt es natürlich nicht. Jemand, der ein wenig Ahnung von der rechtlichen Materie hat, hört sofort heraus, was für ein hanebüchener und verlogener, verfaulter Unsinn da erzählt wird. Da heißt es unter anderem wortwörtlich (migrationsdeutscher Akzent original wiedergegeben):

…da haben wir natürlich noch Zeit, eine Widerrufsakte zu erstellen, Frau XXX. Und zwar, weil wir natürlich jetzt bei die staatliche Behörden … also… die Rechtsschutz… äääh… registriert sind, wurde uns jetzt die Akte auch eingereicht, wir haben das natürlich vorsichtshalber durch die Rechtsabteilung vorsichtshalber kontrollieren lassen, Frau XXX, und es handelt sich hier um einige Unternehmen, mit denen Sie – also Gewinnspielunternehmen, mit denen sie in der Vergangenheit, in der ehemaligen Zeit, zu tun gehabt haben, Frau XXX, ja? – Und es besteht jetzt eine Gesamtforderung von über 9000 Euro beim Amtsgericht Stuttgart…

Netterweise wird die Betroffene vor “die Wahl” gestellt, die Sache selbst über einen Anwalt zu regeln – dabei entstünden aber Anwaltskosten von 1500 Euro, zusätzlich sei auf jeden Fall mindestens 4000 Euro von der Forderung zu bezahlen. Da habe man, weil man vom Staat beauftragt sei, eine bessere Möglichkeit: die Betroffene solle 2000 Euro über eine Nachnahmesendung zahlen – damit sei die Sache aus der Welt, und künftig sei sie auch vor weiteren Nachstellungen von Inkassobüros wegen der Gewinnspiele geschützt, weil künftig das alles direkt über die Staatsanwaltschaft bearbeitet werde. Die Staatsanwaltschaft werde auch die Tonaufzeichnungen einziehen und “im Datenschutzarchiv” verbunkern bzw. vernichten, so dass künftig keine “Beweise” mehr gegen die Betroffene vorgebracht werden könnten.

Hier im folgenden die anonymisierten Wiedergaben der Tonaufzeichnungen:

=Datenschutzzentrale_edit.mp3
=Soundclip29_edit.mp3
=Soundclip30_edit.mp3

Der informierte Zeitgenosse, der seine Rechte kennt, würde natürlich angesichts so eines absurden Geschwurbels spätestens nach dem dritten Satz in schallendes Gelächter ausbrechen und anschließend die Frau Thusnelda fragen, ob sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank hat und ernsthaft selbst den Mist glaubt, den sie da erzählt.

Unserem Forenmitglied gelingt es immer wieder vorzüglich, das Verhalten einer unsicheren alten Frau am Telefon nachzustellen, um die Sprecherinnen hinzuhalten, teilweise über 10 Minuten lang, bis diese erkennen müssen, dass sie hier nicht weiterkommen, weil die alte Dame leider auf stur schaltet und so gar nicht “einsichtig” ist.

Anders wird der Fall dagegen bei den tatsächlich anvisierten Opfern liegen. Wahrscheinlich wird hier selektiv die Zielgruppe solcher Senioren herausgesucht, die in der Vergangenheit tatsächlich Bekanntschaft mit den vielfältigen Fangarmen des Wiener Gewinnspielkarussells gemacht haben, und die auch bereits massiv von Inkassobüros und Anwälten mit Zahlungsaufforderungen belästigt wurden. Die Daten dieser Betroffenen dürften im illegalen Adresshandel kursieren bzw. direkt aus der Quelle des Wiener Karussells stammen. Es ist anzunehmen, dass die Betroffenen zum einen rechtsunkundig sind und zum anderen auch leicht manipulierbar, verängstigt aufgrund der massiven Probleme bis hin zur Zahlungsunfähigkeit, wenn monatlich gleich fünf oder mehr dieser illustren “Gewinnspieleintragungsdienste” das Konto geplündert haben. Diese Personen sind verunsichert und kennen ihre Rechte nicht. Daher kann als sicher gelten, dass ein guter Teil der Betroffenen leider die Nachnahmesendungen annehmen und bezahlen wird.

Diese Abzockerei ist Spezialität mehrerer Banden, die teilweise aus der Türkei, teilweise aber auch aus Deutschland agieren (herzlichen Gruß an die Saubande aus Hilden an dieser Stelle). Irgendwann – es ist alles nur eine Frage der Zeit – wird sich auch diese Bande an ihrer eigenen Geldgeilheit verschlucken und den Ermittlern ins Netz gehen. Es haben schon ganz andere gedacht, es könne ihnen schon nichts passieren. Gruß an Herrn E. aus Frankfurt, Gruß an die Herren K., A., und M. und jetzt auch an Herrn B. aus Wien an dieser Stelle.

Sollten die beiden anrufenden Damen sich selbst anhand ihrer liebevollen Stimmchen wiedererkennen, so seien diese gerne aufgefordert, unter Mitteilung ihrer ladungsfähigen Anschrift ein Löschgesuch an unseren Verein zu richten – wegen “Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte”. Meine Damen! Sie können getrost davon ausgehen, dass es hier ein hinreichendes öffentliches Interesse an der Veröffentlichung Ihrer Betrugsmaschen inklusive der Tonaufzeichnungen gibt. Ihre Persönlichkeitsrechte unterliegen in diesem Fall eindeutig gegenüber dem öffentlichen Interesse. Des weiteren dürfen Sie sicher sein, dass wir – sobald uns Ihre echten Namen vorliegen, was schneller der Fall sein kann, als Sie denken – postwendend gegen Sie Strafanzeige wegen Beihilfe zum banden- und gewerbsmäßigen Betrug erstatten werden – § 263 Abs. 3 StGB. Mindestens ein saftiger Strafbefehl, wenn nicht ein 6-monatiger Aufenthalt im Cafe Viereck sollte Ihnen beiden hierbei sicher sein. Dort jedenfalls gehören Sie beide unserer Ansicht nach dringend einmal hin, Ihr sicherlich äußerst liebenswerter Chef, der sich dieses so schwachsinnige wie unverschämte Skript ausgedacht hat, ebenfalls.

Es gibt nicht die geringste Rechtfertigung für das, was Sie da machen. Finanzielle Not rechtfertigt beileibe nicht das, was Sie sich hier an boshafter Dreistigkeit und Frechheit gegenüber alten Menschen herausnehmen. Wie können Sie beiden Herzchen eigentlich morgens in den Spiegel schauen, ohne dass Ihnen speiübel wird? Möge Ihnen Ihre Frechheit einmal im Hals steckenbleiben. Hinsichtlich Ihres widerwärtigen Chefs haben wir solche Bedenken nicht, der dürfte wohl vollends schmerzbefreit sein – der ist sicherlich der Ansicht, das was er da treibt, gehöre zu seinen verbrieften Grundrechten im Rahmen kreativen Unternehmertums.

Nun denn, nur weiter. Irgendwann kriegen sie Euch alle. Es ist schon ganz anderen die Rolex vom Arm weggepfändet worden.

Article source: http://www.antispam-ev.de/news/index.php?/archives/311-Betrugsanrufe-von-der-Datenschutzzentrale-angebliche-Hilfe-gegen-Gewinnspielabzocke.html

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