2018
01.08

Von aggressiver Werbung hin zu unbegründeten Mahnungen

In den letzten Monaten hat der Antispam e.V. festgestellt, dass mit immer härteren Bandagen auf dem Strommarkt geworben wird. Mitunter artet der Kampf um Neukunden in ein wildes Hauen und Stechen aus, vor dem auch Unternehmen wie die Stadtwerke Krefeld (SWK) oder Pforzheim (SWP), die mehrheitlich in öffentlicher Hand sind, nicht halt machen. Obwohl solche Anrufe nur zulässig wären, wenn der potentielle Kunde zuvor ausdrücklich eingewilligt hätte, rufen zur Neukundenakquise dann Call-Center von “Vertriebspartnern” – unter anderem auch aus der Türkei – in deutschen Privathaushalten an – um dort angeblich günstigen Strom zu verkaufen. Mitnichten achtet der Call-Center-Agent – trotz telefonisch vorgetragener Legenden – darauf, ob er einen günstigen Tarif verkauft. Einzig und allein geht es um die Provisionen pro Vertragsabschluss. Die Energiedienstleister zahlen bis zu 50€ pro neuem, vermittelten Vertrag.

Täglich werden automatische Wahlprogramme in Marsch gesetzt, um die Auslastung der Call-Center-Agenten nahe an ein Maximum heranzuführen. Diese Wahlprogramme rufen – mitunter mehrfach täglich Telefonlisten an. Werbeeinwilligung und Privatsphäre sind Fremdworte. Leute im Schichtdienst haben keine Chance auf Schlaf, nur weil derartige Firmen am Markt agieren. Wohlgemerkt – nur um Provisionen für den Neukunden einzusacken.

Ein weiteres Problem sind Billigstromanbieter, wie eben die mittlerweile insolventen Gesellschaften TelDaFax Holding AG oder auch die Care-Energy AG. Hier konnte der Verbraucher dann doppelt Pech haben: nicht nur, dass von einem Tag auf den anderen sein Energieversorger insolvent war und der Kunde in die Grundversorgung fiel, auch etwaige Vorauszahlungen für Strom fielen in die Insolvenzmasse und waren damit ebenso verloren.

Zudem häufen sich bei Billig-Anbietern, die letztlich irgendwo an anderer Stelle einsparen müssen – meist leider bei ausreichend Personal – auch Abrechnungsfehler. So wurden Boni bei Vertragsschluss versprochen, aber nicht ausgezahlt, falsche Abrechnung erstellt und Kunden erhielten Mahnungen, bevor überhaupt eine Rechnung erstellt wurde.

Der Antispam e.V. kann bei solchen Auffälligkeiten und auch bei Werbeanrufen nur warnen und bittet darum, dass in solchen Fällen die Aufsichtsbehörden eingeschaltet werden. Das ist bei illegaler Telefonwerbung die

Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
Tulpenfeld 4
53113 Bonn

Hier geht es zur Beschwerde bei unerlaubter Telefonwerbung: Link zur Bundesnetzagentur

Für Abrechnungsfehler und dergleichen, bei welchem der Energieversorger trotz eingelegter Beschwerden nicht oder nicht richtig reagiert, wendet man sich an:

Schlichtungsstelle Energie e. V.
Friedrichstraße 133
10117 Berlin

Hier geht es zur Schlichtung: Link zur Schlichtungsstelle Energie e.V.

Schaffen Sie zudem Öffentlichkeit! Teilen Sie Ihre Erfahrungen in Verbraucherschutzforen mit. Negative Erfahrungsberichte kosten unsauber arbeitende Unternehmen bares Geld, denn potentielle Neukunden überlegen es sich zweimal, ob man wegen etwas günstigem Strom den Ärger mit falschen Abrechnungen riskieren will.

Und denken Sie daran: jeder, der Ihnen günstigen Strom am Telefon verkaufen will, denkt nicht an Sie als Kunden – sondern nur an seine Provision. Lassen Sie sich nicht überreden! Legen Sie auf und vergleichen Sie selbst die Preise.

Article source: http://www.antispam-ev.de/news/index.php?/archives/325-Das-Chaos-auf-dem-Strommarkt.html

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