2012
10.26

Seit drei Monaten werden deutsche Handybesitzer bundesweit massenhaft mit Spam-SMS-Werbung für ein Internet-Autoportal bombardiert. Dabei preist immer wieder ein “Peter”, manchmal auch ein “Uwe” oder “Sebastian”, das Portal autokette.de an, mit folgendem Text:

Hallo, du musst dir die Seite unbedingt anschauen. www autokette.de. Hab ich neu entdeckt.Gruss Peter

Oder mit ähnlichem Gefasel.
Bei autokette.de handelt es sich um ein Anzeigenportal für Autoverkäufe.

Sowohl in unserem Internetforum als auch in anderen Blogs und Verbraucherschutzportalen wurde über diese Spams berichtet.
=Forenthread im Forum bei antispam-ev.de

Natürlich ist eine solche Berichterstattung den betreffenden Firmen immer wieder ein Dorn im Auge. Und so hat es auch hier nicht lange gedauert, bis auf dem Antispam Telefon der erste Anruf wegen einer Löschaufforderung einging. Man forderte uns mit einigem Nachdruck zur Löschung der Forenbeiträge auf und behauptete, die Spam-SMSen seien nicht von den Betreibern von autokette.de versendet worden, sondern wahrscheinlich von einem konkurrierenden Internetportal, in der Absicht, der autokette.de Schaden zuzufügen.

Dass diese Spams versendet wurden, ist wohl unbestreitbar. Jedoch wird in unseren Beiträgen nicht behauptet, dass autokette.de als Urheber der Spams feststehe. Weder für eine solche Behauptung noch für die Behauptung der autokette.de bezüglich eines Fremdverschuldens haben wir bisher zugkräftige Anhaltspunkte. Allerdings gingen die Spamwellen nun über mehrere Monate, und die Spams waren eindeutig so aufgemacht, dass die beworbene Webseite ausschließlich begünstigt wurde. Bei einem Fremdverschulden hinsichtlich eines sogenannten “Joe-Jobs” würde man eigentlich eine bösartige Last in Form eines aktiv rufschädigenden Anteils erwarten. Dies war aber in den Spams nicht erkennbar. Auch hat der Spammer mit einem erheblichen Aufwand gearbeitet, er hat offenbar willkürlich ganze Nummernblöcke angespammt, und er hat den Versand durch Nutzung etlicher verschiedener anrufender Rufnummern getarnt. Ein erheblicher Aufwand für einen “Joe-Job”. Insofern konnten an der Darstellung der autokette.de durchaus Zweifel aufkommen.

Solche Zweifel an der Darstellung der autokette hat wohl auch die Bundesnetzagentur, vielleicht hat sie auch konkretere Hinweise. Jedenfalls hat die Bundesnetzagentur gegenüber dem Betreiber der autokette.de eine Untersagung des Geschäftsmodells ausgesprochen und auch etliche der Rufnummern abschalten lassen. In einer Pressemeldung der BNETZA vom 29.08.2012 heißt es:
=Pressemeldung der Bundesnetzagentur zu SMS-Spams für autokette.de

Die Bundesnetzagentur hat gegenüber dem Betreiber des Internetportals www.autokette.de eine Geschäftsmodelluntersagung ausgesprochen. Dem betroffenen Unternehmen wird untersagt, unverlangte Werbung per SMS an Verbraucher oder sonstige Marktteilnehmer zu versenden oder durch Dritte versenden zu lassen.
[…]
Die Bundesnetzagentur bittet die Verbraucher auch weiterhin, sie über derartige Werbe-SMS zu informieren. […]

Man akzeptiere dieses Vorgehen nicht und werde alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen, um dies zu unterbinden. Aus dem Munde der BNETZA ist das schon eine sehr deutliche Wortwahl.

Bisher hat der Verein Antispam e.V. trotz wiederholter nachdrücklicher Telefonate jedenfalls die Forenbeiträge nicht gelöscht. Hierzu sahen wir keinen Anlass.
Hieran hat auch das uns von einem Solinger Anwalt zugegangene Abmahn-Fax nichts geändert, mit dem wir unter Fristsetzung eines Tages zu Löschung der Beiträge aufgefordert wurden, und in dem uns Äußerungen “in außerordentlich despektierlicher Weise” sowie eine “teilweise indiskutable Wortwahl” vorgeworfen wurde, die “sicherlich den Straftatbestand der Beleidigung gem. § 185 StGB” erfülle. Seine Mandantin wolle und werde jedenfalls unser Verhalten nicht länger hinnehmen und habe ihn mit der Erwirkung einer einstweiligen Verfügung beauftragt, wenn nicht gelöscht werde.

Gelöscht haben wir nicht, und bis heute ist eine solche einstweilige Verfügung hier auch nicht zugegangen. Da der ausgewiesene Solinger Experte für Sozialrecht entweder den Verfügungsantrag nicht beim Gericht durchbekommen hat oder aber erst gar keinen gestellt hat, mithin also erfolglos war, hat man dann mit weiteren Telefonanrufen versucht, uns einzuschüchtern:

  • Man wolle wissen, bis wann der Verein zahlen könne, denn man wolle jetzt die Rechnung schreiben.
  • Man habe uns zwei Briefe geschickt, da stehe alles drin.
  • Auch, wenn er, der Anrufer, aus Afghanistan käme, sei er kein Mörder [sic!], aber für autokette.de werde er sein Leben geben.
  • Er werde direkt vorbeikommen und das Geld kassieren.
  • Man schicke uns die Hells Angels vorbei.
  • Und so weiter und so fort.

Mindestens ein weiterer Blogbetreiber wurde mit ähnlichen Anrufen traktiert, unter der Behauptung, der Antispam e.V. werde die Beiträge ebenfalls in Kürze löschen. Von solchen Anwandlungen der notleidenden Autokette lassen sich durchaus manche Blogbetreiber einschüchtern. Nicht so der Vorstand des Antispam e.V. Dieser hat aber jetzt die Faxen dicke von dem Kasperletheater, und er hat gegen den Betreiber der autokette.de negative Feststellungsklage eingereicht bezüglich der Abwehr der Löschaufforderung.
Irgendwann reicht es nämlich. Die deutschen Gesetze gelten auch für Herrn A.

Das Portal autokette.de ist laut Aussage des Betreibers kostenfrei nutzbar und auch werbefrei. Es ist nicht ersichtlich, wie damit Einnahmen generiert werden sollen. Trotzdem wird für dieses Portal ein beträchtlicher Werbeaufwand betrieben, unter anderem kürzlich sogar mit Schaltung von Radiowerbung. Es stellt sich grundsätzlich die Frage, was mit diesem Portal eigentlich bezweckt wird.

Article source: http://www.antispam-ev.de/news/index.php?/archives/305-Die-neuen-Leiden-der-Autokette.html

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