2010
12.18

Liebe spammer,

an eurem spam sind im Grunde zwei Dinge lästig: der Müll an sich und, sofern man sich die Texte durchliest, die mangelnde Kreativität beim Versuch den Empfängern Geld aus der Tasche zu ziehen. So gleichen sich hunderte eurer spams, die ich gelegentlich aus dem Mülleimer ziehe, wie ein Ei dem anderen.

Der angebliche Dr. Archer Greg zum Beispiel, der laut Mailadresse Kevin heissen soll, teilt mir mit: My name is Mrs. Faith Zenwakole. Na dann, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Geschlechtsumwandlung. Vielleicht sollten Sie sich künftig aber für eine zum Geschlecht passende Adresse entscheiden. Wenn das gelöst ist, können wir uns gern über einfache Dinge unterhalten. Der Transfer von Abermillionen Dollar gehört nicht dazu. Patrick Chan ist auch einer von denen, die ein merkwürdiges Mitteilungsbedürfnis treibt anderen ungefragt ihren Namen mitzuteilen. Auch ihm gelingt es nicht eine dazu passende Sende-Mailadresse zu generieren, die zudem mit der in der Nachricht enthaltenen Anwortadresse nicht im Geringsten übereinstimmt. Dass ich angeblich bei der Handelskammer von Hongkong gelistet bin, ehrt mich. Wobei ich gleich vermute, dass der Typ mit diesen Details zu dick aufträgt. Irritationen sind aber hinderlich, wenn man als Mugu Erfolg haben will. Der Typ will mir angeblich 22,5 Mio Dollar überweisen und verspricht dafür “30 % Gesamtbevцlkerung” abzudrücken. Nein Danke mein Lieber; die deutschen Hoteliers fühlen sich von der Politik hier gut unterstützt und können auf die Einreise so vieler Hongkong-Chinesen via Malaysia sicher leichten Herzens verzichten. Barrister Chong Duha macht gleich mehrere Fehler, die man schon erkennt, ohne die Dreckmail zu öffnen. Er verwendet eine Mailadresse, die zur  TLD pl gehört, was bei dem Namen nicht unbedingt nahe liegt. Zudem heisst er ausweislich dieser Mailadresse angeblich Janina. Offenbar sind Geschlechtsumwandlungen häufiger als ich bislang dachte. Weiter ist der Betreff sehr dämlich: Greetings to you. Noch dazu mit einem Punkt am Ende; wie blöd. Viel Mühe gibst Du Dir nicht spammy. Mrs. Sonia yak Williams ist ausweislich des Nachrichtentextes offenbar tief religiös. Das hindert sie allerdings nicht daran, mir im Verlauf einer herzzerreissenden Kurzgeschichte ein ziemlich unmoralisches Angebot über den Transfer von 3,5 Mio.US Dollar vorzuschlagen. Ihr Pech: ich bin überzeugter Atheist und nicht dämlich genug auf den Schmarrn herein zu fallen. Mr Lile Song, der eine Mailadresse yahoo.com.hk verwendet, was eigentlich schon blöd genug ist, schreibt: “AW: Erwarte Ihre Antwort”. Wie bitte? Das müsste wegen “AW:” ja eine Anwort auf ein Schreiben von mir sein, an dass ich mich aber mit Sicherheit erinnern würde.

spam-Dreck mit dem Betreff “Lieber Freund” oder “Dear friend“, gern auch mit Komma, Semikolon oder Punkt am Ende, erhalte ich oft. Neu ist die Variante “Lieber freundlichen”, in der sich unter anderem ein “Dr , FRANK M. GARCIA”, seines Zeichens Director, bemüht mir einen Gewinn von 950,777.00 Euro einzureden. Leider ist das Deutsch dieses “Dr ,” nicht nur frei von Umlauten sondern auch sonst total mies. Schon deshalb bin ich sicher nicht sonderlich “freundlichen”. Der avisierte Gewinn soll nun der 11. Teil einer Gesamtsumme von 10,485.547.00 Euro sein. Frank, ich glaube du bescheisst! Naja, für 10 EUR Gesamtsumme – man beachte jeweils die Position des Kommas in den Zahlen – reisse ich mir sicher nicht den A…. auf. Rod Thompson versucht einen Vorschussbetrug mit dem bedingt originellen Betreff “Investition Antrag”. Wie dumm, dass er das gleiche Schreiben sehr, sehr oft sendet und ihm sein grottenschlechtes Deutsch offenbar nicht peinlich ist. Lieber Rod: in den Niederlanden, wo das Schreiben angeblich her kommt, kann man sehr viel besser deutsch. Und auch das mit dem Zeichensatz üben wir noch ‘mal, gell? Bezüglich Ihrer Absichten wenden Sie sich doch bitte einfach an die nächstgelegene Polizeidienststelle. Da werden Sie geholfen. Thomas Anthony kann es auch nicht lassen und sendet regelmäßig nahezu identischen Müll mit einer Mailadresse yahoo.cn. Er nutzt offenbar die gleiche Infrastruktur wie Rod Thompson. Das fällt auf, mein Lieber. Abdelkerim A. Mahamat, einer von vielen spammern, die glauben, dass an das Ende des Betreffs ein Punkt gehört, wünscht mir Frieden. Den hätte ich wohl, bliebe ich von dämlichen Email-Validierungsversuchen verschont, bei denen ich den spam-Nonsense noch selbst per Link abholen soll. Der Typ muss wohl völlig durchgeknallt sein.

Die “Europäische International Lotterie” schreibt mir diesmal angeblich aus Schweden: “Anspruch Information!!!” Leider aber mit so vielen Ausrufezeichen im Betreff, dass man schon vor der Öffnung der Nachricht befürchten muss, dass spammy ernsthaft erkrankt ist. Wie ernst zeigte sich an der kurze Zeit später eintreffenden Nachricht “SIE HABEN GEWONNEN !!!!!!!!!!!!!!! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH”. Laut herumbrüllen und dabei nichts als Ausrufezeichen im Kopf; Originalität sieht anders aus. Bei “Euromillion” habe ich in einer Woche angeblich drei mal den Jackpot geknackt und in der spanischenen Lotterie den Hauptgewinn gewonnen. So viel Glück auf einmal; es ist kaum zu fassen. Auch bei einer f….-Seite soll ich mit meiner Mailadresse gewonnen haben. Wobei ich mich frage, wie wollen die eigentlich löhnen? In Naturalien?

“Lara Kamps”, die noch immer den zusätzlichen Vornamen “Ihre” verwendet, möchte diesmal die Aufmerksamkeit auf Müll von “amateurdoor.com” lenken. Da hat sie Pech; ich habe panische Angst, wenn Amateure etwas so Kompliziertes wie eine Tür betätigen. Das kann sehr teuer werden, wie jede Versicherung weis, die einmal Rechnungen für Schäden an Glastüren begleichen musste. ANA PAULA schreibt im Betreff von einem Zeug namens ‘Bermuda “Anticelulite”!‘ Das muss wirklich toll sein, dass es sich lohnt dafür auf portugiesisch weltweit Reklame zu machen.

Lieber “Mr. John woodmans”, bitte beschaffen Sie sich eine bessere Mailadresse, AOL ist bei mir gesperrt, verzichten Sie darauf sich selbst “Mr.” zu nennen und lassen Sie den Punkt am Ende des Betreffs weg. Vielleicht haben Sie dann einmal Glück und Ihr “important”-spam tunnelt die Filter. Bekommt noch jemand Mails von AOL-Accounts? Bei mir ist aol.com schon so lange blockiert, dass ich immer denke, die gibt es gar nicht mehr. Zumal heute nahezu jeder zweite Spammer eine gmail-Adresse und der Rest mehrheitlich Hotmail und Yahoo verwendet. Liebe Grüße also zurück an  den unbekannten “Peter Wong Tung Shun”, dessen “Komplimente” ich mir gar nicht erst angesehen habe. Wenn er sich eine vernünftige Mailadresse zulegt, kann er sich aber gern noch einmal melden.

Angeblich von der Postbank erreicht mich eine höchst alarmierende Nachricht: mein Konto wurde deaktiviert und es droht, wenn ich das Kauderwelsch richtig verstehe, sogar eine Löschung binnen 90 Tagen. Zu dumm, wenn der Text so einer Nachricht total verhunzt ist, jeder Umlaut als Fragezeichen dargestellt wird, der Versand über China erfolgt und der Empfänger kein Postbank-Konto unterhält. Und warum wird eine so wichtige Warnung mit der Priorität “niedrig” versendet? Der Phishing-DAU bendet den Schrott mit dem Satz “Vielen Dank f?r die Rettung mit der Postbank”.  Aber bitte, nicht dafür!

“Ihre Kreditkarte wurde ausgesetzt weil wir ein Problem festgestellt auf Ihrem Konto.” Oh weia! die arme Kreditkarte. Was tut die denn jetzt, so mutterseelenallein, noch dazu irgendwo in Frankreich? Heh spammy, es ist schon blöd, wenn man Visa-Kunden abzocken will, man dazu blind an alle sendet und die Chance deshalb hoch ist, dass die Empfänger keine Visa-Karte haben. Noch blöder ist es Mails mit französischer Mailadresse aus den Niederlanden zu versenden. Ein Punkt am Ende des Betreffs ist doppelt doof, weil mein Filter so etwas übel nimmt. Und total bescheuert ist es, wenn man für die Formulierung auf Babelfish setzt. Warum lasst ihr die Texte nicht endlich einmal jemanden verfassen, der sich mit der deutschen Sprache wirklich auskennt, also z. B. durch mich? Meine Mail-Adresse habt ihr doch.

“Sie haben eine Zahlung erhalten” tönt ein anderer spammer, der die Mailadresse eines Robots von orange.fr benutzt. Das klingt recht vielversprechend, längere Außenstände sind leider heute üblich, auch wenn mir grad kein Kunde in Frankreich einfällt. Drinnen findet sich dann eine Datei Rechnung.zip”. Tipp an den Amateur: bitte beschäftige dich dringend mit Basisbegriffen der deutschen Sprache. “Zahlung erhalten” bedeutet Geld an mich; “Rechnung” ist eine Geldforderung, also im Prinzip Geld an dich. Letzteres kannst Du glatt vergessen, meine Taschen bleiben zu! Zudem ist es sehr, sehr ungeschickt neben meiner Adresse mehr als 30 Empfänger im TO:-Feld aufzuführen. Da wartet u. U. jeder, ob nicht ein anderer die Zahlung übernimmt.

Der Betreff des Monats kommt diesmal von der angeblichen “Dr. Joanne Schaefer” aus Argentinien. Sie schreibt: “Sie sind verhaftet!” Wow! das hört sich schrecklich gefährlich an. Reicht die Zeit noch, mich von meiner Familie zu verabschieden?

M. Boettcher

Article source: http://antispam.de/news/index.php?/archives/286-Liebe-spammer-26-....html

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