2010
12.29

Liebe spammer,

das Jahr 2010 geht unweigerlich dem Ende entgegen. Zeit ein wenig inne zu halten und die letzten zwölf Monate Revue passieren zu lassen. Ob ihr Spammer und Phisher auch ein Resümee des Jahres zieht? Falls nicht, kann ich mit ein paar Anmerkungen gern in die Bresche springen.

Das Erste, was ihr euch im nächsten Jahr unbedingt abgewöhnen müsst, ist die Nennung des angeblichen Sendernamens im Betreff. Wenn eine mir völlig unbekannte Lillian Anderson eine Nachricht an mich schickt, dann bietet der Betreff “Von Frau Lillian Anderson !!!” keine Information, die ich anregend genug finde, diese Mail zu öffnen. Bestenfalls muss ich annehmen, dass der Schreiber ein echter Idiot ist und die Grundzüge der Mail-Client-Konfiguration nicht versteht.

Beim Betreff offenbart sich ein weiterer Fehler, von dem ihr seid Jahren nicht lassen könnt, den ihr aber wirklich endlich ablegen solltet: zu viele Ausrufezeichen. Das wird übrigens nicht besser, wenn man an diese noch ein paar Zeichen anhängt, wie in “Electric Cars are CASH COWS!!! o8u2“. Das sieht verdächtig nach einer ID aus. In die gleiche Kategorie vermeidbarer Blödheit gehört auch die regelmäßig anzutreffende Verwendung eines Punktes am Ende des Betreffs, wie z. B. in “Gold Dust For Sale.” oder “Award Ko-ordinator.” Das letzte Beispiel zeigt, dass jemand bei euch scheint zu glauben scheint, dass ein alberner Betreff, mit dem der Dreck hundert Mal in den Filtern hängen blieb, besser geeignet ist, wenn man ihn mit überflüssigen Minuszeichen aufbläht. Sorry Leute, das wird nichts. Es ist auch ziemlich bescheuert Mails mit dem Betreff “Email Notice…” zu versenden, weil diese Ankündigung für den Empfänger keinen erkennbaren Informationswert besitzt. Das der Müll den Weg nimmt, den ich für elektronische Nachrichten eingerichtet habe, sehe ich auch ohne diesen selten dämlichen Hinweis. Blöder ist eigentlich nur noch “[!! SPAM] Sehr geehrter Kunde“, den mir angeblich die Postbank zusendet – aus Ungarn! Mann o Mann, da kommen einen die Tränen, bei so einem Mangel an Professionalität. Wobei der Text im Bild zu schieren Lachkrämpfen reizte.

Gestammel, das nur entfernt an die deutsche Sprache erinnert, solltet ihr langsam wirklich vermeiden. So schwer ist deutsch wirklich nicht. Der Betreff “Ihrem Konto haben AUSGESETZT” reizt wohl allenfalls bei einem IQ unter 80 zum öffnen. Aber auch totale Offenheit kann völlig fehl am Platz sein. Wer meint mit “|BUY NOW| Viagra50/100mg – $1.85, High Qua1ityMedications + Discount On All Reorders = Best Deal Ever!” punkten zu können, ist entweder neu im Geschäft oder hat gar nichts verstanden.  “Viagra” löst in so vielen Schreibweisen die spam-Filter aus, dass die Verwendung als Klartext im Betreff eigentlich nur eines bedeuten kann: der Müll sollte direkt versenkt werden. Das ist hier dann auch prompt und ohne Anstrengung bzw. nennenswerte CPU-Zeit passiert. Im Grunde könnt ihr auf solchen dummen Pillenspam dann auch gleich verzichten.

Mr.Pt. Lee, der über eine beachtliche Anzahl vermutlich gefakter Mailadressen verfügt, glaubt, dass ein Betreff wie “Friend” oder “ATTN:Friend” geeignet ist mit mir Kontakt auf zu nehmen. So sorry “Mr. Lee“, aber meine Freunde wissen, dass dies unweigerlich dazu führt, den Dreck dahin zu verfrachten, wo er hin gehört: in den Müll. Und das vollautomatisch, Sie verstehen. Ein anderer, der sich Oliver nennt, schreibt ziemlich kurz “Da bin ich“. Das erinnert mich an einen Spot in der Sesamstrasse, in dem ein Simpel auch einmal “da” sein wollte, beim Wechsel der Position aber immer feststellen musste, dass da, wo er hinging, immer “hier” war. Und egal wo das ist “Oliver“, ich hoffe für Dich und Deine Gesundheit, dass das für uns niemals der gleiche Ort sein wird. Am Rande: “Greetings from Georgia” sollte man möglichst nicht mit *ru-Mailadresse versenden.

Was ihr euch 2011 auch sparen könnt, ist die Verwendung von gmail-Adressen. Ich habe schon seit Jahren alle Domains geerdet, die den Begriff “mail” enthalten. Das hat mich bereits vor einer Menge Dreck bewahrt. Wer mit mir kommunizieren will, soll sich eine vernünftige Mail-Adresse zulegen. gmail, aol, hotmail und yahoo gehören definitiv nicht dazu. Facebook mag viele Mitglieder haben und vielleicht kenne ich davon sogar einige. Ich selbst halte aber gar nichts davon und bin da demzufolge nicht Mitglied. Insofern ist es äußerts unwahrscheinlich bis unmöglich, dass eine Sara oder Bridget einen Kommentar zu einem meiner Fotos abgibt. Schon weil es solche Fotos nicht gibt, weder bei Facebook noch anderswo im Web.

Entbehrlich finde ich übrigens auch die Fülle windiger Business Vorschläge, Casino-spam, Lotteriegewinne, Mails von Fake-Professoren, Menschen, die sich ihres Geschlechts nicht sicher sind, wie Dr. Archer Greg aus China, der im Betreff behauptet, er hiesse “Mrs. Faith Zenwakolo“, sowie Bank, Sparkasen und Ebay-Schwindel. Fällt darauf überhaupt noch einer herein? M. E. wird es Zeit für ein bischen mehr Originalität.

Natürlich könnt ihr 2011 auch so weiter machen, wie bisher. Nur beklagt euch dann bitte nicht, dass die Zeiten hart sind und ihr relativ erfolglos bleibt.

Michael Boettcher

Article source: http://antispam.de/news/index.php?/archives/290-Liebe-spammer-27-....html

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