2012
10.26

Ungefähr 4000 Seiten stark ist die Prozessakte im Bielefelder Strafprozess wegen gewerbsmäßigen Betrugs gegen den Schweizer Markus W. sowie zwei deutsche Betreiber eines ehemaligen Paderborner Callcenters, das Ehepaar Thorsten und Daniela S. Den drei Personen wird von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, ein betrügerisches System aufgebaut haben, das auf der angeblichen Teilnahme an einem Gewinnspiel basierte. Mit dem Versprechen einer Geld-zurück-Garantie bei Nichtgewinn sollen sie zwischen November 2008 und Januar 2010 eine Vielzahl von Betroffenen zur Herausgabe der Kontodaten verleitet haben. Die Angeklagten sollen in rund 330.000 Fällen mittels Lastschrift insgesamt knapp 19 Millionen Euro abgebucht haben.

Der Schweizer, der unter anderem Besitzer eines Hotels in Todtmoos/Schwarzwald war, sowie die Frau wurden Ende Juli 2010 festgenommen, der Paderborner Callcenterbetreiber hielt sich eine Weile auf Mallorca versteckt, konnte jedoch einige Zeit später ebenfalls verhaftet werden.

Um das Verfahren in seiner Komplexität nicht ausufern zu lassen, versucht der zuständige Richter derzeit zu erreichen, dass die Angeklagten ein Geständnis ablegen. Dadurch könnte das Verfahren auf einen wichtigen Teilbereich beschränkt sowie das Strafmaß auf 5/6/7 Jahre abgesenkt werden. Bis jetzt haben sich die Angeklagten allerdings noch nicht dazu bereiterklärt. Bei Ablehnung der Geständnisse würde das Verfahren noch Monate in Anspruch nehmen.

Ermittelt wird seit Ende 2010 auch gegen das Bielefelder Privatbankhaus Werther. Über dieses Bankhaus sind etliche der Transaktionen des Trios gelaufen. Das Bankhaus Werther hat einen großen Teil der Lastschrifteinzüge durchgeführt. Kenntnis über Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit diesen Lastschriften muss das Haus lange Zeit gehabt haben, jedoch wurden trotzdem nicht – wie sonst bei seriösen Banken üblich – zeitnah die Konten der dubiosen Geschäftsleute gesperrt. Für dieses äußerst fragwürdige Verhalten gibt es bis heute keine schlüssige Erklärung.

Die drei angeklagten Personen sind nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Teil einer gewaltigen Verflechtung, die unter dem Namen “Wiener Karussell” bekannt ist. So ist einer der Dienstleister aus den Lastschrifteinzügen keine andere Firma als die Wiener “Luck 24 GmbH”, die als EDV-Dienstleistungszentrale etlicher Gewinnspielbetrügereien bekannt geworden ist, angeblich jedoch ohne von den illegalen Vorgängen etwas gewusst zu haben. Bei dem sogenannten “Wiener Karussell” handelt es sich um ein locker organisiertes Satellitensystem mehrerer Banden. Gegen einen weiteren wichtigen Ableger des Wiener Karussells, die sogenannte “Flammkuchen-Connection” aus der badischen Ortenau, wird derzeit vor dem Landgericht Mannheim verhandelt.
Onlineartikel Badische Zeitung

Weiteres zum Bielefelder Prozess:

Artikel auf die-glocke.de

Artikel auf antiabzockenet.blogspot.com

Online-Artikel der Badischen Zeitung

Grundsatzinfo zur Gewinnspielabzocke am Telefon:

Antispam-Wiki – Telefonabzocke

Article source: http://www.antispam-ev.de/news/index.php?/archives/301-Prozess-vor-dem-Landgericht-Bielefeld-gegen-Gewinnspielbetrueger.html

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